Soirée Audio

 

Wo treffen sich zwei distinktive Ansätze der Musik? Wie alle Begegnungen impliziert auch diese eine Abgrenzung zweier Einheiten eines umfassenderen Ganzen. Die scheinbar beachtliche Distanz reisst sich zur klaffenden Schlucht, wenn die Masse etymologischer Verwirrungen und terminologischer Streitigkeiten in den Diskurs einfällt. Klangkunst und KlangKunst und Klassische Musik und Soundart und Klangskulptur und Kunstmusik und Klangplastiken und […]. Auch der Versuch von John Cage, alles unter den Begriff « sound organisation » zu packen, bewährt sich nicht, beleuchtet aber einen verheissungsvollen Vorstoss: Dekonstruktion.

Weg von Musik, Harmonie, Ton, Klang und hin zum Geräusch. Was dieses materielle Artefakt erst zum ästhetischen Objekt erhebt ist die Wahrnehmung, schlussendlich also der Hörer. Welche Rolle nimmt also das affizierte Individuum ein? Die jahrhundertelang automatisierte Rezeptionshaltung der geläufigen Konzertpraxis ist nun der Punkt, an dem das, was gemeinhin als Klangkunst bezeichnet wird, von der herkömmlichen Musikpraxis divergiert: Auf den Interpreten wird verzichtet und der Konzertsaal wird aufgegeben. Für den Hörer schwindet die Distanz zum Werk und die Grenzen der gewohnten Räumlichkeiten verschwimmen, indem das setting wandelbar wird.

 

Sind die die Partituren der alten Meister dazu verdammt, in Schränken verschrobener Musiklehrer zu verstauben? 
Nein! Und die Klangkunst hilft dabei. 
Sie transzendiert zwar das Medium Musik in der Verbindung mit der Bildenden Kunst, stellt aber keineswegs die Musik ins off. Eher beweist sich die Klassische Musik als Perfektion eines Mediums durch Meisterung des Handwerks. Wo nun können sich diese Einheiten eines grösseren Ganzen begegnen? Diesem Stelldichein möchte der Kunstverein Spieglerey nun einen Tisch decken. Interpreten Klassischer Musik sowie Installationen und Performances platzieren das Geräusch in verschiedensten Variationen vor und um den Hörer, um Grenzen auszuloten, neu abzustecken oder zu entdecken, wo vielleicht gar nie welche da waren. 
Text:
David Sieber

Künstler und Künstlerinnen:

Musik:
Cembaloformation mit Constantin Mathias, Anna Hamberger, Anna Morozkina, Guilherme Barroso, Nenad Ivkovic, Melina Murray, Linda Alijaj, Bettina Simon.
Streichquartet mit Claudia Peter, Madlaina Pestalozzi, Samuel Aebi, Lorenz Bachmann
Gitarre mit Kosta Markov

Soundart:
Martina Morger
Milenko Lazic
Sarah Solderer

Heinrich Stauffer

weitere

Grafik:
Lea Huser

Audio Einladung